Auf welche Kollegen Sie besonders achten sollten

12. September 2025

Ist einer Ihrer Kollegen übermäßigen psychischen Belastungen ausgesetzt, wird sich das früher oder später in einem Leistungsabfall oder auch in aggressivem Verhalten zeigen; Ihr Kollege schafft es einfach nicht mehr. Ist es erst mal so weit gekommen, ist es aber schon zu spät. Gehandelt werden muss weit früher.

Gott sei Dank gibt es viele Warnsignale, die auf eine Überbelastung hinweisen. Sie und Ihre Kollegen müssen diese nur erkennen und auch ernst nehmen. Nur dann können Sie Ihrem Kollegen helfen, seinen Zusammenbruch zu verhindern, und ihn als gute Arbeitskraft behalten.

Achten Sie auf diese Warnsignale

  • Aussehen: Wie sieht der Mitarbeiter aus? Kleidet er sich auf einmal unordentlich? Kommt er mit ungewaschener Kleidung zur Arbeit? Hat er dunkle Ringe unter den Augen? Wirkt er ungepflegt? Das sind deutliche Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.
  • Arbeitsverhalten: Wie verhält sich der Mitarbeiter im Job? Vergisst er plötzlich Dinge? Kommt er zu spät? Macht er übermäßig viele Fehler? Verändert er sich zum Negativen? Lässt er die Dinge einfach liegen?
  • Mimik/Gestik: Ist der Mitarbeiter neuerdings fahrig oder sehr unruhig und sind diese Erscheinungen untypisch für ihn?
  • Fehlzeiten: Fehlt ein Mitarbeiter auf einmal auffallend oft? Das muss nicht unbedingt immer mit einer körperlichen Erkrankung zusammenhängen. Es kann auch die Psyche dahinterstecken. Der Mitarbeiter kann schon so eine Angst entwickelt haben, dass er seinen Arbeitsplatz nicht mehr aufsuchen möchte oder kann.
  • Der Arbeitnehmer kann aber auch psychosomatische Beschwerden zeigen. Hierbei handelt es sich um Beschwerden, die sich zwar körperlich äußern, aber keine organische, sondern rein psychische Ursachen haben (typisch sind etwa Blässe, Gewichtsverlust etc.).
Hinweis: Nicht hysterisch werden

Diese Erscheinungsformen müssen nicht auf eine angeschlagene Psyche hindeuten, können es aber. Beobachten Sie daher die Mitarbeiter und suchen Sie auch immer wieder mal das Gespräch mit ihnen. Nur so können Sie die Dinge richtig deuten und frühzeitig genug gegensteuern. Personalrat sein heißt nicht, nur zu warten, bis jemand in die Sprechstunden kommt und sich beschwert. Es heißt auch, aktiv auf seine Kollegen zu achten.

Treten Sie an Ihre Dienststellenleitung heran und bitten Sie sie, auch auf derartige Symptome zu achten. Bevor sie bei einem Fehler blind abmahnt, ist es zweckmäßiger, sich zu fragen, ob vielleicht eine psychische Ursache hinter allem steckt. Ihr Dienstherr wird im ersten Moment nicht viel von Burnout, Stress und Prävention hören wollen. Das ist zwar nicht gut, aber Sie können dies ausnutzen. Denn will Ihre Dienststellenleitung nicht handeln, können Sie das Zepter in die Hand nehmen. Sagen Sie das auch Ihrer Dienststellenleitung und liefern Sie ihr die folgenden Argumente, warum der Personalrat als Gremium der richtige Ansprechpartner zum Thema Burnout ist:

  • Der Personalrat steht nah am potenziell betroffenen Mitarbeiter,
  • er kann Erschöpfungs-Signale im Frühstadium erkennen und ansprechen,
  • bei ihm werden sich die Mitarbeiter als Erstes „ausheulen“. Deswegen kann er als „Feedback-Instrument“ dienen und so innerbetriebliche Brandherde aufzeigen und notwendige Entlastungsmaßnahmen fordern.

Sie als Personalrat können einfach effektiver handeln, weil Sie den Mitarbeitern näherstehen. Dabei entlasten Sie den Dienstherrn ja sogar noch. Denn was Sie tun, muss er nicht erledigen. Sie tun ihm also nur Gutes. Zudem bewahren Sie ihn ja auch noch vor unnötiger Fluktuation in der Dienststelle.

Hier herrscht Alarmbereitschaft

Alle Mitarbeiter können von psychischen Belastungen betroffen sein – auch die Aushilfen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass besonders die folgenden Mitarbeitergruppen betroffen sind:

  • Die engagiertesten Mitarbeiter – wer beantwortet auch am Sonntag und nach Feierabend noch E-Mails?
  • Mitarbeiter mit hohem persönlichem Engagement im täglichen Umgang mit anderen Menschen sind besonders gefährdet. Das sind nicht nur Kollegen, die sich immer um die anderen Kollegen kümmern, sondern auch Kollegen mit viel Außenkontakt. Denn dieser kann unglaublich stressig sein. Denken Sie nur an Kollegen in der Widerspruchsstelle, in der Zentrale oder z. B. an Busfahrer.
  • Kollegen mit besonders hohem Anspruch an sich selbst – also Ihre Ehrgeizlinge – sind besonders gefährdet.
  • Sehr sensible Menschen mit Empathie für andere werden oft unbewusst bis aufs Äußerste belastet.
  • Personen mit schlechter persönlicher Abgrenzungsfähigkeit (stets ein offenes Ohr, arbeiten die Berge der anderen auch noch ab) stehen oft nah am Burnout.
  • Achten Sie besonders auf sogenannte „Sandwich-Beschäftigte“. Das sind die in der mittleren Führungsebene. Sie stehen zwischen den Beschäftigten und der Dienststellenleitung. Der Druck von beiden Seiten macht diese Beschäftigten, die im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Stühlen stehen, besonders Burnout-anfällig.

Achten Sie besonders auf diese Menschen. Wenn Sie am Ball bleiben, erkennen Sie schnell, ob etwas zu tun ist.

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