Unsere Welt ist eine andere geworden, das ist nicht zu beschönigen: Pandemie, Krieg in der Ukraine, immer mehr autokratisch geführte Staaten – da ist es kein Wunder, wenn viele Kollegen Angst bekommen. Angst vor der Zukunft. Helfen Sie Ihren Kollegen, mit diesen Ängsten umzugehen. Mit den folgenden 12 Tipps:
1. Ich bin für dich da
Zeigen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen, dass Sie das Thema wahrgenommen haben und dass Sie als Personalrat für Gespräche bereit sind. Etwa durch einen Aushang am Schwarzen Brett oder einen Aufruf im Intranet der Dienststelle nach folgendem Muster:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch den Personalrat beschäftigen der Krieg und die Energiekrise sowie die anhaltende Pandemie sehr. Wir würden gern mit euch darüber reden.
Wann? …
Wo? …
Wir würden uns über euer Erscheinen sehr freuen!
Euer Personalrat
PS: Gern könnt ihr auch auf uns zukommen, wenn ihr lieber Einzelgespräche führen möchtet. Wir nehmen uns gern die Zeit für euch!
Auch Ihr Dienstherr kann solche Gesprächsrunden ins Leben rufen. Schließlich hat er eine Fürsorgepflicht und will sich die Arbeitskraft seiner Mitarbeiter erhalten. Allerdings scheint es mir aussichtsreicher, wenn der Personalrat hier aktiv wird. Die Mitarbeiter vertrauen Ihnen doch mehr. Zumindest aber kann er dazukommen und ein paar Worte an die Mitarbeiter richten – dass z. B. der Arbeitsplatz nicht in Gefahr ist, dass er hinter seinen Mitarbeitern steht, das wird den ein oder anderen doch beruhigen!
2. Die Situation annehmen
„Alles bleibt wie immer, nur schlimmer“ – das ist kein guter Satz zur Krisenbewältigung. Besser ist da schon: „Ja, das hat sich verändert, aber dieses alles dafür nicht.“ Unsere Welt dreht sich und wird sich auch weiterdrehen, wir werden vorübergehende Einschränkungen spüren, diese aber durchschreiten. Auch die Energiekrise werden wir überstehen. Aus ihr kann sogar die Chance erwachsen, sich von Abhängigkeiten frei zu machen.
Machen Sie sich bewusst, dass die momentane Situation nicht änderbar ist. Durch Ihre Angst schon gar nicht. Wir müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen, was anderes bleibt uns nicht.
3. Strahlen Sie als Personalrat einen gesunden Optimismus aus
Halten Sie sich und Ihren Kolleginnen und Kollegen immer das Positive in der Welt vor Augen. Das gibt es ja immer noch: den Sommer, die Biergärten, Freundschaften, die ersten Schneeflocken. Europa hat ganz andere Krisen durchschritten und gemeistert.
4. Die Opferrolle verlassen und aktiv werden
Zu Hause vergraben nützt nichts. In Krisenzeiten müssen wir
„raus“. Denn Aktivität ist auf jeden Fall hilfreich: Friedensdemos, Teilnahme an Antikriegskundgebungen … Und sie heben die Stimmung. Sie können sich auch ehrenamtlich kümmern: im Kinderheim, in der Flüchtlingshilfe, in Tierheimen – das sind ausfüllende, dankbare Aufgaben. Sie werden viel zurückerhalten und dadurch Ihre Ängste minimieren.
5. Workshop zum Thema Resilienz buchen
Das Leben so zu nehmen, wie es ist, und Verantwortung über unsere Gefühle zu übernehmen ist ein ständiger Lernprozess. Je öfter wir es schaffen, desto widerstandsfähiger und glücklicher werden wir. Und das kann man lernen, z. B. in Resilienzworkshops oder einem Coaching zum Thema – denken Sie doch mal über eine interne Schulung zu diesem Thema nach, etwa durch einen Betriebspsychologen.
Sehr hilfreich kann es auch sein, sich eine Liste zu machen: eine Liste der Ängste, die man hat. Einen Teil der Ängste werden Sie schon allein dadurch ganz schnell wieder los. Probieren Sie es einfach mal aus, es hilft wirklich.
6. Gemeinschaft und Beziehungen spüren
Ein starkes Gemeinschaftsgefühl blockt Ängste ab. Gemeinsam sind wir stark! Gerade in Zeiten wie diesen ist das Wir-Gefühl wichtiger denn je. Setzen Sie daher auf gemeinsame Aktivitäten, vom Betriebssport angefangen bis hin zum gemeinsamen Kinobesuch. All das hilft gegen Angst und psychischen Stress!
7. Weniger ist mehr!
Es reicht, wenn Sie Nachrichten aus aller Welt maximal 2-mal täglich sehen oder hören. Diese beinhalten zur Zeit einfach zu viele schlechte Nachrichten. Halten Sie den Abend frei von belastenden Themen. Stellen Sie Pushnachrichten aus.
8. Sorgen Sie vor
Vielen Menschen hilft es auch, wenn sie ausreichend vorgesorgt haben. Auch die Politik rief schon zur Bevorratung auf. Etwa mithilfe einer Notfallliste mit Vorräten für den Katastrophenfall. Folgende Dinge sollten zu Hause vorhanden/erledigt sein (Mengenangaben gelten für 10 Tage):
Übersicht: Notfallvorsorge
| Produkt | Menge pro Person |
| 1. Wasser | 20 l Wasser (1,5 l pro Tag + 0,5 l für Lebensmittelzubereitung, z. B. Nudeln, Reis oder Kartoffeln) |
| 2. Kohlenhydrate | 3,5 kg Getreide, Kartoffeln, Nudeln, Reis |
| 3. Gemüse, Hülsenfrüchte | 4 kg, am besten im Glas oder in der Dose, da getrocknete Produkte noch Wasser für die Zubereitung benötigen. |
| 4. Obst/Nüsse | 2,5 kg lagerfähiges Obst oder Obst in Dosen und Gläsern |
| 5. Milch/Milchprodukte | 2,6 kg |
| 6. Fisch, Fleisch, Eier | 1,5 kg (Tipp: Eier sind nur begrenzt lagerfähig, Volleipulver hingegen mehrere Jahre.) |
| 7. Öl/Fette | 0,3 kg |
| 8. Sonstiges | Zucker, Süßigkeiten, Mehl, Instantbrühe, Kekse … |
| 9. Hausapotheke | DIN-Verbandskasten, Hautund Wunddesinfektionsmittel, Schmerzmittel, Fieberthermometer, Mittel gegen Erkältungskrankheiten und gegen Durchfall, Splitterpinzette, Insektenstich- und Sonnenbrandsalbe |
| 10. Hygieneartikel | Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier, Haushaltshandschuhe, Campingtoilette/-beutel, Desinfektionsmittel |
| 11. Brandschutz | Feuerlöscher, Eimer für Löschwasser, Rauchmelder, Gartenschlauch |
| 12. Energieausfall | Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampe, Batterien, Campingkocher, ausreichend Gas |
| 13. Information | Rundfunkgerät (batteriebetrieben) sowie ausreichend Batterien |
| 14. Dokumente | Sind wichtige Dokumente griffbereit? |
| 15. Notgepäck | persönliche Medikamente, Schlafsack, Thermoskanne, Erste-Hilfe-Set, Atemschutz, Kopfbedeckung, Handy, Ladegerät, Taschenlampe, Wechselkleidung, festes Schuhwerk |
Ich gehe nicht davon aus, dass wir das brauchen werden, habe die Liste aber trotzdem für zu Hause abgearbeitet. Und ganz ehrlich: Das kann nie schaden, Deutschland hat in den letzten Jahren ja auch mit Unwettern und Unwetterschäden zu kämpfen, da kann es leicht auch mal zu einem Stromausfall kommen und man ist froh, wenn man die Taschenlampe parat hat.
Und bitte: Bestellen Sie jetzt keinen fertig gepackten Notfallrucksack im Internet – die meisten Anbieter zocken Sie ab! Sie können sich die Dinge in der Liste selbst einkaufen und einpacken. So sparen Sie und sind gleichzeitig noch abgelenkt!
9. Hilfe schadet nicht
Wenn eine Kollegin oder ein Kollege dann doch mehr Unterstützung benötigt, sollten Sie mit Daten zu Anlaufstellen ausgestattet sein. Hier ist z. B. die Nummer der Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123 oder per E-Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de. Andere Möglichkeiten für externe Hilfen sind z. B. der soziale Dienst oder andere Beratungsstellen vor Ort.
10. Halten Sie Ihre Routinen ein
Was wir bei aller Angst oft übersehen: Wir haben einen Alltag zu bewältigen. Und das zeigt gleichzeitig, dass es uns nicht wirklich schlecht geht. Wir können nach wie vor zum Sportverein, zum Einkaufen, zum Friseur, wir müssen die Kinder in die Schule bringen, nach der Oma sehen … und das sollten wir auch tun. Denn Routinen halten uns in der Spur und lenken gleichzeitig von negativen Gedanken ab!
11. Gönnen Sie sich etwas
Gerade in schwierigen Zeiten sollte man sich etwas gönnen. Das muss nichts Teures sein: ein gutes Buch, ein Spaziergang – etwas, worauf man eben Lust hat. Diese kleinen Auszeiten tun der Seele ungemein gut! In der Dienststelle sollten Sie wegen des Krieges nicht auf Ihre Weihnachtsfeiern etc. verzichten. Was uns jetzt stark macht, ist der Zusammenhalt.
12. Lassen Sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen
Und für Sie als Personalrat ist ganz wichtig zu wissen, dass die Mitbestimmungsrechte auch in Krisenzeiten uneingeschränkt bestehen bleiben. Sie können also weiterhin für Ihre Kolleginnen und Kollegen da sein und das wird den ein oder anderen auch schon beruhigen.
Als Personalrat sollten Sie jetzt auf jeden Fall noch mal die Gefährdungsbeurteilungen untersuchen. Viele von Ihnen arbeiten in Berufen, die besonders belastend sind (etwa in der Verwaltung). Die besondere psychische Belastung muss Eingang in die Gefährdungsbeurteilung finden. Gehen Sie das doch noch mal mit den Sicherheitsfachkräften in Ihrer Dienststelle an. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, schon früh zu erkennen, wo Einbruchstellen für Ängste lauern können, und entsprechend gegenzusteuern! Ihre Kolleginnen und Kollegen werden es Ihnen danken.
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