Die Kolleginnen und Kollegen im Polizeidienst des Bundes und der Länder sind überlastet und die Politik nimmt die Sorgen der betroffenen Beamtinnen und Beamten nicht wirklich ernst. Zwar sind seit der Flüchtlingskrise weitere Stellen geschaffen worden, diese reichen aber nicht und sie helfen aktuell auch noch nicht, denn die entsprechenden Anwärter müssen zunächst einmal eingestellt und ausgebildet werden. Helfen könnte die Reaktivierung von Beamten im Ruhestand oder der Einsatz von angestellten Mitarbeitern für Verwaltungsaufgaben.
Eins steht aber fest: So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Die politischen Probleme können nicht auf dem Rücken und der Gesundheit der Beamtinnen und Beamten, aber auch der Angestellten in den Polizeibehörden ausgetragen werden.
Überstunden werden gestrichen
In einem Bericht der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat Innenminister Herbert Reul eingeräumt, dass bei der Polizei in NRW insgesamt 12.647 Mehrarbeitsstunden angefallen seien, die aber verjährt sind. Dabei gibt der Innenminister die Schuld an dem Verfall den Polizistinnen und Polizisten selbst. 2.331 der 2.350 betroffenen Beamtinnen und Beamten hätten „schlicht kein Langzeitarbeitskonto eröffnet, um ihre Stunden zu retten – und sie haben auch keinen Freizeitausgleich und keine Auszahlung beantragt“, so Reul in seinem „Ministerblog“.
Dabei sind die Langzeitarbeitskonten viel zu restriktiv gestaltet. Allein die Tatsache, dass es erforderlich ist, die Konten zu beantragen, spricht übrigens für sich.
Sie als Personalrat müssen trotzdem mit der Situation der Überstunden zurechtkommen. Überstunden und Mehrarbeit haben die unterschiedlichsten Folgen für die Kolleginnen und Kollegen.
Psychische Belastungen vermeiden
Mögliche psychische Belastungen lassen sich nicht nur durch das Einhalten von Arbeitszeiten vermeiden, sondern auch durch einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang miteinander. Und dazu gehört auch ein Führungsverhalten, das psychische Belastungen vermeidet. Das ist ein Thema, das Sie ins Monatsgespräch mit Ihrem Dienstherren mitnehmen können.
Vorschläge für Vorgesetzte
Vorgesetzte können das am besten tun, indem sie für die Leistung, die sie von ihren Kollegen fordern, Gegenleistungen erbringen.
Zum Beispiel
- durch regelmäßige Mitarbeitergespräche,
- durch die Belohnung von besonderen Leistungen,
- indem sie die Beschwerden ihrer Kollegen ernst nehmen und sich damit befassen,
- indem die Kollegen nicht bei der kleinsten Kleinigkeit abgemahnt werden,
- dadurch, dass Kollegen geschult werden, insbesondere wenn Fachwissen fehlt.
So können Sie helfen, Überstunden zu vermeiden
Um Überstunden zu vermeiden, können Sie verschiedene Maßnahmen mit Ihrem Dienstherrn ergreifen, um die Arbeitszeit effizienter zu gestalten und Belastungsspitzen zu reduzieren:
Genaue Arbeitszeitplanung
Eine realistische und detaillierte Planung der Arbeitszeiten hilft, Überstunden zu verhindern. Aufgaben sollten so verteilt werden, dass sie innerhalb der regulären Arbeitszeit erledigt werden.
Prioritäten setzen
Unwichtige Aufgaben sollten verschoben oder delegiert werden, um Engpässe zu vermeiden. Priorisierung wichtiger Aufgaben sorgt für eine effizientere Zeitnutzung.
Arbeitsprozesse optimieren
Effiziente Arbeitsabläufe und der Einsatz von Technologien, die repetitive Aufgaben automatisieren, können Zeit sparen.
Delegation von Aufgaben
Führungskräfte sollten lernen, Aufgaben an Mitarbeiter zu delegieren, um Überlastung Einzelner zu verhindern.
Teamarbeit fördern
Durch gute Teamarbeit kann die Arbeitslast gleichmäßig verteilt werden, was Überstunden reduziert.
Transparente Kommunikation
Regelmäßige Abstimmungen über den Arbeitsfortschritt und die Kapazitäten der Mitarbeiter helfen, Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Flexible Arbeitszeiten einführen
Gleitzeitmodelle oder Homeoffice-Optionen können helfen, die Arbeit besser an die verfügbare Zeit anzupassen.
Work-Life-Balance fördern
Regelmäßige Pausen und Freizeitmöglichkeiten schaffen nicht nur Zufriedenheit, sondern verhindern auch Überlastung und damit die Notwendigkeit für Überstunden.
Einsatzplanung optimieren
Eine vorausschauende Planung von Personalressourcen, insbesondere in Phasen mit erhöhtem Arbeitsaufkommen, hilft, Überstunden zu minimieren.
Kontinuierliche Weiterbildung
Durch Schulungen können Mitarbeiter ihre Arbeitsmethoden verbessern, was langfristig zu einer effizienteren Nutzung der Arbeitszeit führt.
Mehr Personal einstellen
Sowohl im Bereich der Beamten als auch im Bereich der Angestellten werden die Aufgaben größer. Da hilft nur eins: Es müssen mehr Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden!
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