Kolleginnen und Kollegen, die innerlich gekündigt haben, können für Ihre Dienststelle gefährlich werden. Oft stecken sie mit ihrer Unzufriedenheit ihre Kolleginnen und Kollegen an. Das stört den Frieden in der Dienststelle. Als Personalrat sollten Sie hier etwas tun. Wir zeigen Ihnen, was dabei wichtig ist.
Definition innere Kündigung
Im Personalwesen bedeutet das, die Arbeitseinstellung, Eigeninitiative und Arbeitseinsatz so weit zu senken, als ob die Arbeitskraft bei ihrem Arbeitgeber nicht mehr beschäftigt wäre – aber ohne selbst zu kündigen. Synonyme für die innere Kündigung sind der „Dienst nach Vorschrift“ und die Leistungsverweigerung.
Aktuelle Studien belegen, dass jeder 5. Beschäftigte seine Arbeit sinnlos findet und sich mit seiner Firma oder Behörde nicht mehr identifiziert. Diese Mitarbeiter haben innerlich gekündigt. Der häufigste Grund hierfür ist der jeweils direkte Vorgesetzte, dem die Fähigkeit fehlt, richtig zu motivieren.
Was die innere Kündigung bedeutet und wie sie entsteht
Viele Personalräte kennen die Situation: Ein Kollege macht spürbar nur noch „Dienst nach Vorschrift“, feiert immer wieder krank und seine Arbeitsergebnisse sind bestenfalls durchschnittlich. So eine innere Kündigung kommt nicht über Nacht. Sie ist fast immer das Endstadium eines längeren und komplizierten Prozesses. Die Umwelt nimmt so eine innere Kündigung nur sehr selten wahr und meist erst dann, wenn es zu spät ist. Bei jeder inneren Kündigung geht es um die Gefühle Ihrer Kolleginnen und Kollegen.
Wie es dazu kommt, dass Mitarbeiter innerlich kündigen
Eine innere Kündigung ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen erfolgt. Er vollzieht sich fast immer lautlos und langsam. Eines steht immer im Vordergrund: das Gefühl der Kollegin oder des Kollegen, ungerecht behandelt zu werden.
Viele Betroffene merken erst, dass sie innerlich gekündigt haben, wenn es bereits zu spät ist, um noch etwas daran zu ändern. Der Frust und die Demotivation haben zu diesem Zeitpunkt bereits ein so großes Ausmaß erreicht, dass der Weg zurück sehr schwer ist. Die Zufriedenheit Ihrer Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Arbeitssituation wirkt sich maßgeblich auf die Bereitschaft zur inneren Kündigung aus.
Daran erkennen Sie die innere Kündigung
Die innere Kündigung einer Kollegin oder eines Kollegen ist sowohl im sozialen Verhalten als auch im Arbeitsverhalten zu erkennen. Es gibt verschiedene deutliche Anzeichen dafür, an denen Sie erkennen können, dass sich die Situation in eine gefährliche Richtung entwickelt.
In der folgenden Checkliste finden Sie Beispiele für deutliche Anzeichen, dass eine Kollegin oder ein Kollege innerlich gekündigt hat. Auch wenn ein streitbarer und eher unbequemer Kollege allmählich immer leiser wird und keine Lust mehr auf Streit zeigt, kann das ein Hinweis auf eine innere Kündigung sein.
Checkliste: Signale, die auf eine innere Kündigung hindeuten
- Distanz zu Kollegen
- Vermindertes Engagement und Lustlosigkeit beim Arbeiten
- Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeitserfüllung
- Der Mitarbeiter macht nur genau das, was nötig ist.
- Mangelnde Hilfsbereitschaft
- Unhöflichkeit gegenüber Kunden
- Hohe Fehlzeiten
- Das Ablehnen von Veränderungen oder persönlicher Weiterentwicklung
- Kein Interesse an Mitarbeit bei Meetings und Sitzungen
- Dem Mitarbeiter ist egal, ob die Behörde erfolgreich ist.
- Aufgaben werden ständig an Kollegen delegiert.
Je häufiger Sie einen Haken setzen konnten, desto größer ist die Gefahr für eine innere Kündigung.
Auswirkungen
Die innere Kündigung ist häufig mit vielfältigen Persönlichkeitsveränderungen verbunden. Eine wirkliche Kündigung wird in der Regel nicht ausgesprochen.
Das sind die teuren Folgen bei inneren Kündigungen
Denken Sie daran, dass jede innere Kündigung eines Kollegen oder einer Kollegin sehr viele Nachteile für Ihre Behörde mit sich bringen kann. Hierzu gehören beispielsweise
● wirtschaftliche Einbußen,
● Folgen für Qualität und Produktivität,
● weniger Innovationen, Einsatzbereitschaft und Kreativität,
● Verlangsamung des Arbeitstempos,
● sinkende Dynamik im eigenen Arbeitsbereich,
● Stillstand oder Verzögerungen bei Veränderungsprozessen,
● steigende individuelle Fehlerquote,
● mangelhafter Informationsaustausch,
● Belastungen für die sozialen Beziehungen im Team, das heißt etwa Konflikte bis hin zu Mobbing,
● Anstieg von Fehlzeiten, also wachsende Krankenstände, sinkende Personalplanungssicherheit,
● Abnahme der Kundenorientierung, das heißt: schlechterer Service,
● Imageverluste, da sich der von der inneren Kündigung betroffene Mitarbeiter häufig negativ über Ihre Behörde äußert, sowie
● Unruhe und Unzufriedenheit in der Belegschaft, etwa weil die Kollegen die Arbeit des betreffenden Mitarbeiters mit erledigen müssen.
Die Lustlosigkeit einzelner Mitarbeiter ist ansteckend. Wie ein Flächenbrand wirkt sich die Stimmung aus, die chronisch Unzufriedene bei ihren Kolleginnen und Kollegen verursachen. Deshalb sollte Ihre Dienstellenleitung bei einer erkennbar gewordenen inneren Kündigung sofort reagieren.
Gründe für eine innere Kündigung
Die Ursachen einer inneren Kündigung können vielfältig sein. Die Checkliste unten enthält die wichtigsten. Stellen Sie fest, dass Kollegen zunehmend lustlos arbeiten, gehen Sie sie einfach mal durch.
So sind Sie bei einer inneren Kündigung gefordert
Wenn Sie als Personalrat Augen und Ohren offen halten, entgeht Ihnen die innere Kündigung eines Kollegen oder einer Kollegin nicht: Ein bislang engagierter Mitarbeiter zieht sich allmählich zurück, bringt sich nicht mehr ein, verhält sich distanziert, macht „Dienst nach Vorschrift“ – hier liegt meist ein Fall von innerer Kündigung vor. Mit solch einem Kollegen sollten Sie schnellstens reden. Hier gilt für Sie:
Checkliste: Gründe für eine innere Kündigung
- Fehler beim Führen von Mitarbeitern, etwa Mangel an kooperativer Führung
- Fehlen von freundlicher Zuwendung
- Ein – aus der Sicht des Mitarbeiters – zu geringes Gehalt
- Fehlendes Feedback
- Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Führungskraft
- Nichterfüllung von beruflichen Erwartungen oder Versprechungen (z. B. werden Entwicklungsmöglichkeiten, die bei der Neueinstellung in Aussicht gestellt wurden, nicht erfüllt)
- Konflikte oder Mobbing in der Dienststelle
- Keine Anerkennung und mangelnder Respekt
- Negative Folgen im Zuge eines Reorganisationsprozesses, beispielsweise durch neue Techniken und die Angst, den Anschluss zu verlieren
- Eine als ungerecht empfundene Leistungsbeurteilung
- Unzufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit
- Angst vor Arbeitsplatzverlust
- Zu wenig Verantwortung
- Fehlende Einbeziehung bei Entscheidungen
- Das Übergehen des Mitarbeiters bei Beförderungen
Je mehr Haken Sie setzen, desto größer ist die Gefahr für innere Kündigungen.
Häufigkeit ist erschreckend
Jeder 5. Arbeitnehmer in Deutschland hat bereits innerlich gekündigt. Nur 16 % der Beschäftigten fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Mitarbeiterbindung geht anders.
1. Finden Sie heraus, was ihn bewegt.
2. Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung für sein Problem.
3. Seien Sie feinfühlig und nehmen Sie seine Argumente unbedingt ernst.
Erörtern Sie ganz genau, an welchen Stellen sich der Kollege ungerecht behandelt fühlt, und besprechen Sie gemeinsam eine Lösungsstrategie. Vereinbaren Sie konkrete Maßnahmen und legen Sie Termine für die Umsetzung fest.
Das ist Ihre Gegenstrategie bei inneren Kündigungen
Wer aus solchen Gründen nicht mehr gern zur Arbeit geht, ist zunächst meist unzufrieden. Dem folgt oft die innere Kündigung. Hier hilft nur eines: Fördern Sie das Engagement der Kollegin oder des Kollegen.
Sorgen Sie für regelmäßige Kommunikation
Entscheidende Bedeutung für die Zufriedenheit der Belegschaft hat die regelmäßige Kommunikation zwischen Ihrem Dienstherrn bzw. den Vorgesetzten und den Kolleginnen und Kollegen. Diese Kommunikation sollte nicht nur informell, sondern auch im Rahmen von strukturierten regelmäßigen Gesprächen erfolgen. Zu diesen Gesprächen gehören das
● Mitarbeitergespräch,
● Feedbackgespräch,
● Zielvereinbarungsgespräch,
● Personalentwicklungsgespräch und
● Beurteilungsgespräch.
Ganz entscheidend ist also, einen guten Informationsfluss in der Behörde zu schaffen. Das geht nur gemeinsam mit Ihrem Dienstherrn.
Erfolgreiche Methoden zur Sicherstellung einer transparenten Kommunikation und eines guten Informationsflusses sind regelmäßige Teambesprechungen, Mitteilungen in der Mitarbeiterzeitung, am Schwarzen Brett, im Intranet und im Rahmen von Personalversammlungen.
Checkliste: Strategien, um innere Kündigung zu vermeiden
- Haben Sie die Ziele und Wünsche des Kollegen herausgearbeitet?
- Kann Ihre Dienststelle den Zielen und Wünschen in sachgerechter Weise mittelfristig entsprechen?
- Ist es möglich, den Kollegen stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen?
- Ist eine Prüfung der behördlichen Ressourcen erfolgt, wie diesen Zielen und Wünschen mittelfristig entsprochen werden kann?
- Wurde die Modifikationsbereitschaft des Kollegen geprüft, wie er selbst seine Schwachstellen verringern kann? Wurden die Möglichkeiten geklärt?
- Ist der Kollege tatsächlich bereit, sich zu verändern und mitzumachen?
- Ist ggf. externe Hilfe, etwa durch einen Mediator, Erfolg versprechend?
- Falls es keine gemeinsame Perspektive gibt: Ist die Möglichkeit einer Versetzung realistisch?
Wenn Sie diese Checkliste durchgearbeitet haben, haben Sie ein klareres Bild für erste Lösungsansätze.
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