Wer im Bereich Gesundheitsmanagement gern vergessen wird, das sind die älteren Mitarbeiter. Das können wir uns nicht mehr leisten. Sie wissen ja, wer 100 Jahre alt wird, kann nicht mit 60 aufhören zu arbeiten (frei nach Jens Spahn). Das heißt übersetzt: Rente mit 70. Wir müssen also lange fit bleiben, damit wir dann auch nach 70 unseren Ruhestand noch genießen können. Deshalb sollten Sie gerade für ältere Beschäftigte das Age-Management in das BGM integrieren. Der Begriff kommt vom englischen „age“ für „Alter“. Auf 4 Ebenen wird hier versucht, das Arbeitsleben dem Lebensalter anzupassen und so die älteren Menschen so lange wie möglich gesund in der Dienststelle zu halten. Welche Säulen das sind und was es dabei zu beachten gilt, lesen Sie hier.
Baustein 1: Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in der Dienststelle
Ob Ihre Dienststellenleitung hier alles tut, sehen Sie, wenn Sie den folgenden Fragenkatalog durchgehen. Nur wenn Sie alle Fragen mit Ja beantworten können, tut Ihr Dienstherr genug, um die Sicherheit und Gesundheit der Älteren zu gewährleisten. Bei einem Nein müssen Sie Nachbesserung einfordern.
- Sind die Arbeitsplätze nach ergonomischen Prinzipien gestaltet?
- Ist die Arbeit abwechslungsreich (mal stehend, mal sitzend …) gestaltet?
- Gibt es einen Gesundheitszirkel, in dem gesundheitliche Probleme diskutiert und auch Maßnahmen beschlossen werden, oder wird dies alternativ im Arbeitsschutzausschuss getan?
- Gibt es Dienstsportgruppen für Ältere?
- Gibt es in der Kantine auch leichtere Mahlzeiten? Ältere können den „Schweinebraten“ oft nicht mehr uneingeschränkt genießen.
- Schult Ihr Dienstherr die Führungskräfte im Umgang mit älteren Mitarbeitern?
- Haben auch Ältere in Ihrer Dienststelle eine Entwicklungsperspektive?
- Haben Ältere die Möglichkeit, an Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen?
- Können Ältere bei Ihnen die Pausen nach ihren individuellen Bedürfnissen einlegen?
Baustein 2: Arbeitsorganisation und Gestaltung
Ihr Dienstherr sollte zudem nicht vergessen, dass er es mit älteren Beschäftigten zu tun hat, die schon so einiges in ihrem Arbeitsleben „durchgemacht“ haben. Deswegen sollte er sie nicht mehr in ein enges Korsett pressen, denn gerade Ältere passen da nicht mehr rein, sondern sind dem schon entwachsen und würden in dem Korsett quasi ersticken.
Ältere sollten deshalb Freiheiten genießen bei der
- eigenen Arbeitsweise: Ältere sollten technisch natürlich up to date sein. Aber sie müssen ihre Notizen nicht ins Smartphone hämmern, sondern dürfen auch noch einen Papierkalender benutzen. Ältere müssen nicht immer in ein modernes Technikkonzept passen.
- Wahl der Arbeitsmittel: Können die Mitarbeiter die Arbeitsmittel wählen, sollten die Älteren den ersten Zugriff haben und die Mittel wählen dürfen, die am besten zu ihnen passen.
- Festlegung der Pausenzeitpunkte: Ob mehrmals 15 Minuten oder eine Stunde am Stück – der Ältere sollte so Pausen machen dürfen, wie er sich am besten erholen kann.
- Arbeitszeit: Flexible Arbeitszeiten kommen nicht nur Eltern entgegen, sondern allen Mitarbeitern, vor allem auch den älteren.
Baustein 3: Nicht gegen-, sondern miteinander
Ältere lassen sich nur in der Dienststelle halten, wenn die Einstellung ihnen gegenüber stimmt. Alt muss mit Jung und Jung muss mit Alt können, beide Seiten müssen sich kooperativ zeigen, und dies muss von oben so implementiert werden. Sonst klappt das nicht mit der Rente mit 70.
Baustein 4: Lebenslanges Lernen muss sein
Wer bis in ein höheres Alter mitarbeiten soll, muss auch das Handwerkszeug hierzu erhalten. Mein Wissen aus dem Jurastudium ist zum Teil auch längst überholt, ohne Fortbildung könnte ich in weiten Teilen nicht mehr arbeiten. Ältere lassen sich nur dann gesund im Job halten, wenn es
- zielgruppenadäquate Weiterbildungsmöglichkeiten und
- persönlichkeitsfördernde Tätigkeiten gibt,
- qualifikatorische Sackgassen vermieden werden und die
- Zusammenarbeit mit Kollegen großgeschrieben wird.
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