„Ich habe wirklich große Probleme mit meiner Vorgesetzten … Was kann ich tun?“

26. Juni 2025

Frage: Ich bin Mitglied im Personalrat und arbeite in einer großen Behörde und habe zunehmend Probleme mit meiner Vorgesetzten. Ständig werde ich kritisiert, teilweise auch vor Kollegen. Außerdem bekomme ich regelmäßig so viele Aufgaben, dass ich sie in der vorgesehenen Zeit gar nicht erledigen kann. Ich bin inzwischen völlig erschöpft und weiß nicht mehr weiter. Was kann ich tun? Gibt es etwas, was der Personalrat hier unternehmen kann?

Maria Markatou: Vielen Dank für Ihre mutige und wichtige Frage.

Ich gebe Ihnen im Folgenden einige konkrete Hinweise, wie Sie weiter vorgehen können – und welche Möglichkeiten der Personalrat in solchen Fällen hat.

1. Selbstbeobachtung: Was genau geschieht?

Zunächst empfehle ich Ihnen, die belastenden Situationen möglichst genau zu dokumentieren. Notieren Sie:

  • Wann wurden welche Aufgaben verteilt?
  • Welche Kritik wurde geäußert?
  • In welchem Ton und Rahmen?
  • Gab es Zeugen?
  • Wie fühlten Sie sich in dem Moment?

Solche Notizen helfen nicht nur Ihnen selbst, die Lage besser einzuordnen, sondern sind auch eine wichtige Grundlage für ein eventuelles Gespräch mit dem Personalrat oder der Führungskraft.

2. Suchen Sie das Gespräch mit dem Personalrat

Suchen Sie das vertrauliche Gespräch mit dem Personalrat. Dieser kann Ihre Schilderung aufnehmen, mit Ihnen gemeinsam reflektieren – und Ihnen zeigen, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Möglich sind zum Beispiel:

  • ein unterstützendes Gespräch mit der Vorgesetzten, unter Umständen mit einer Begleitung
  • die Einschaltung der Gleichstellungsbeauftragten
  • Hinweise auf Überlastungsanzeigen oder Maßnahmen des Gesundheitsschutzes
  • die Vermittlung zu internen oder externen Beratungsangeboten, etwa zur Konfliktklärung oder psychischen Entlastung
  • das Thematisieren struktureller Probleme im Gremium, etwa wenn sich ähnliche Fälle häufen

Der Personalrat kann Ihre Interessen vertreten – aber nur, wenn er von der Situation weiß. Sprechen Sie also frühzeitig mit ihm.

3. Überlastung anzeigen – nicht schweigen!

Wenn Sie regelmäßig mehr Arbeit haben, als zu schaffen ist, sollten Sie eine formale Überlastungsanzeige erwägen. Diese richtet sich an Ihre Vorgesetzte und dient dem Schutz sowohl Ihrer Gesundheit als auch Ihrer dienstlichen Verantwortung. Wichtig: Eine solche Anzeige ist keine Beschwerde, sondern eine rechtlich anerkannte Reaktion auf eine unzumutbare Arbeitsbelastung.

Auch hier kann Sie Ihr Personalrat unterstützen – etwa beim Formulieren oder Weiterleiten der Anzeige.

4. Gespräch mit der Vorgesetzten – aber gut vorbereitet

Manchmal hilft ein direktes Gespräch, um Missverständnisse auszuräumen. Falls Sie das für möglich halten, können Sie ein klärendes Gespräch anregen – am besten mit Unterstützung. Bitten Sie zum Beispiel ein Mitglied des Personalrats, an dem Gespräch teilzunehmen oder zumindest bei der Vorbereitung zu helfen.

Wichtig ist: Bleiben Sie sachlich. Sprechen Sie über konkrete Situationen, nicht über Ihre Vermutungen oder Bewertungen. Fragen Sie nach Prioritäten, wenn zu viele Aufgaben gleichzeitig kommen. Und formulieren Sie klar, was Sie sich wünschen: z. B. respektvollere Kommunikation oder realistischere Zeitvorgaben.

5. Grenzen setzen – auf sich selbst achten

Dauerhafte Kritik, Demütigung oder Überforderung können krank machen. Warten Sie nicht zu lange. Wenn Sie merken, dass Sie sich dauerhaft erschöpft, ängstlich oder hilflos fühlen, holen Sie sich Hilfe – bei Ihrem Hausarzt, dem Betriebsarzt, der Sozialberatung oder auch bei externen Beratungsstellen. Gesundheit geht vor.

Auch der Personalrat kann dabei unterstützen, etwa durch Vermittlung geeigneter Ansprechstellen.

6. Was kann der Personalrat konkret tun?

Der Personalrat kann je nach Landesrecht und Situation verschiedene Maßnahmen ergreifen:

  • ein Gespräch mit der Dienststellenleitung suchen
  • eine Vermittlung anregen
  • den Fall anonymisiert im Gremium diskutieren
  • strukturelle Probleme aufgreifen (z. B. hohe Arbeitsdichte in bestimmten Bereichen)
  • Dienstvereinbarungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz anstoßen
  • den Einbezug weiterer Akteure (Gleichstellungsstelle, Schwerbehindertenvertretung) vorschlagen.

Wichtig ist: Der Personalrat braucht Ihre Mitwirkung – und Ihre Informationen. Er handelt nicht über Ihren Kopf hinweg, sondern mit Ihnen gemeinsam.

Fazit: Gemeinsam sind Sie stark

Sie sind mit Ihrer Situation nicht allein – und Sie müssen das auch nicht allein aushalten. Der Personalrat ist genau für solche Fälle da. Suchen Sie den Kontakt, schildern Sie Ihre Lage und lassen Sie sich beraten. Es gibt Wege, mit belastendem Verhalten von Vorgesetzten umzugehen – und es gibt Schutzmechanismen, die Sie in Anspruch nehmen können. Sie haben ein Recht auf eine Unterstützung in schwierigen Lagen. Nutzen Sie dieses Recht. Es lohnt sich.

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